Wie es zum Reprint der ,,Fischwaid’’ kam

Die vorliegende Neuausgabe wäre nicht enststanden ohne die Algarve, einen namenlosen portugiesischen Mediziner und einen Überraschungsfund im Nachlass – wie Nico Böer von Edition Marisol zum Originalband der „Fischwaid“ kam, ist eine Geschichte für sich:

Nico Böer Reprint-Initiator und Autor   Im Jahre 1980 fiel mir beim Erwerb eines Stadthauses in Tavira an der Ostalgarve (das wohl kurz nach der Jahrhundertwende erbaut worden war, wie aus der Glühbirne im Hausflur zu schließen war) zwischen anderem Nachlass ein Buch mit dem Titel „Die Fischwaid“ in die Hände. Das restliche Inventar bestand aus einem dreifachen Satz eines vollständigen chirugischen Bestecks in fabrikneuem
Zustand, einer randvoll gestopften Kiste mit Erlenmeyer-Kolben in Miniaturausführung und einer silbernen Opiumpfeife aus China, in komplett rauchfertigem Zustand mit Zündbaumwolle und Eiserner Reserve im Geheimfach. Die erwähnte Glühbirne trug den Schriftzug „Herrmann Philips Berlin“ und verbreitete noch jahrelang das warme, wenn auch spärliche Licht ihres Kohlefadens.

Das alte deutsche Buch erschien mir zunächst nicht mehr als ein Kuriosum, zumal als Fundstück im Haus eines ehemaligen Arztes in Portugal, versehen mit unleserlichen Anmerkungen auf Portugiesisch, offenbar die Fischnamen in der Landessprache betreffend. Dann fielen mir die hübschen Jugendstilvignetten und alten Fotos ins Auge; wenig später hatte ich mich schon im Kapitel über den Aal festgelesen und konnte Skowronneks Buch
 

kaum mehr aus der Hand legen. Dazu sei bemerkt, dass ich das letzte Mal mit 14 Jahren ernsthaft geangelt habe und hier in Portugal zu Süßwasserfischen wenig Kontakt pflege. Doch kenne ich mich leidlich mit den Vertretern aus dem Meer aus, habe mit Fischern fast täglich zu tun und lerne immer noch dazu. Fangmethoden, das Verhalten der Fische bei verschiedenen Wetter- und Strömungsverhältnissen, ihre unterschiedliche Qualität je nach Fangzeit – das Thema ist unerschöpflich, zumal natürlich jeder Fischer seine eigene Meinung und Erfahrung hat. Sogar die Fische schwimmen hier alle 30 Kilometer unter anderen Namen.

„Die Fischwaid“ hat mich über die Jahre begleitet, in meinem Haus ihren hundertsten Geburtstag erlebt und war nicht zuletzt Inspiration für mein eigenes Buch über die „Fische der Algarve“. So habe ich denn auch lange davon geträumt, das Skowronneksche Standardwerk wieder nachdrucken zu lassen, was nun endlich in die Tat umgesetzt ist. Wurde auch höchste Zeit, bevor das Original bis zur völligen Unkenntlichkeit zerfleddert. Denn schließlich, ganz im Sinne des Verfassers, ist dieses Werk auch in der Algarve durch die derben Hände etlicher Fischer gewandert, die dadurch wertvolle Anregungen für die hierzulande wenig entwickelte Reusenfischerei erhielten, aber mit Druckwerk für gewöhnlich nicht zimperlich umgehen.


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