Skowronneks Fischwaid: Fundgrube für Fischfreunde

Weit mehr als ein Standardwerk über Fischfang und Angelei, ist Skowronneks „Fischwaid“ nicht zuletzt ein wertvolles Zeitdokument. Mit viel Esprit, engagiert und amüsant geschrieben bereitet die kenntnisreiche Darstellung der Welt masurischer Fischer auch ein Lesevergnügen von hohen Graden.

Fast ein Jahrhundert lang vergriffen war dieses Standardwerk, und wenn überhaupt antiquarisch erhältlich, dann zu stolzen Preisen zwischen 200 und 400 Euro, je nach Erhaltungzustand. Dieser Umstand rechtfertigt sich einzig und allein durch den Inhalt dieses Werkes, lassen sich doch andere Bücher des Autors, die eher der Heimatliteratur zuzurechnen sind, bereits in sehr gutem Zustand schon ab zehn Euro antiquarisch erwerben.

Tatsächlich lässt Skowronneks Buch über Fischerei, Fischzucht und Angelsport für den interessierten Leser keine Wünsche offen: Im ersten Teil werden in aller Ausführlichkeit Themen wie Fischzucht, Fangmethoden, wirtschaftliche Bedeutung und Perspektiven der Fischerei behandelt. Dabei gelingt es dem Verfasser, auch den trockensten Stoff sprachlich in eine Form zu bringen, die das Lesen zum Vergnügen macht.

Der zweite Teil über den Angelsport ist ebenso erschöpfend – nur nicht für den Leser! – in der Beschreibung von Fanggeräten und -methoden, zusätzlich aber mit vielen Geschichten und eigenen Erlebnissen angereichert. Das Kapitel über die Fliegenfischerei ist der einzige Abschnitt dieses Werkes, der bis heute erhältlich ist: Dr. Alfred Brehm stellte diese Abhandlung seinem Freund Skowronnek zum Abdruck in der „Fischwaid“ zur freundlichen Verfügung.

Aber nicht nur für Petrijünger ist dieses Buch eine wahre Fundgrube: Wenn es denn einen positiven Begriff der Heimatliteratur gäbe, träfe er sicherlich auf die Teile der „Fischwaid“ zu, in denen der Autor sein „geliebtes Masuren“ dem Leser nahe bringt. Stets mit großem Respekt vor den so genannten einfachen Leuten und nie ohne einen gehörigen Schuss liebevoller Ironie beschreibt er die Charaktere seiner Landsleute und das „Milljöh“. Das unterscheidet seine Erzählkunst in sehr
  angenehmer Weise vom Pathos seiner Zeitgenossen Löns und Ganghofer. Und auch dort, wo sich der Autor mit kleinen Spitzen und geistreichen Seitenhieben politisch äußert, gerät die Aussage nie in die Nähe eines dumpfen Nationalismus – bei aller Heimatliebe keine Spur von Blut und Boden.

Skowronnek ist Journalist und wäre lieber Fischer, lebt in der Metropole Berlin und fährt doch so oft als möglich zurück in sein heimatliches Masuren, wo er sich den Stoff für die unzähligen Episoden rund um die Fischerei holt. Aufmerksame Beobachtung und präzise Beschreibung vermitteln anschaulich ein Bild der Landschaft und des Alltags ihrer Bewohner und machen sein Buch heute zu einem wertvollen Zeitdokument. Obendrein ist der Mann auch noch kulinarisch kompetent: Was im Anhang zur Fischkochkunst an Kochtipps und Rezepten, Küchenkritik und gastrosophischen Kurzausflügen geboten wird, ist nicht nur amüsant geschrieben, sondern auch heute noch aktuell und bietet unter den aufgeführten Rezepten originelle Raritäten.


Dr. Fritz Skowronnek: Die Fischwaid
Handbuch der Fischerei, Fischzucht und Angelei, 2 Teile in einem Band mit Anhang über die Fischkochkunst

Hochwertiger Reprint der Originalausgabe von 1904, Werkdruckpapier, Fadenheftung, Lesebändchen, Leineneinband mit farbiger Titel- und Rückenprägung, ges. 416 Seiten mit 410 SW-Abbildungen und 16 Tafeln, Edition Marisol im Verlag Gebrüder Kornmayer, ISBN 978-3-938173-37-4

Preis: 78 € (inkl. ges. MwSt)

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